In meinem Umfeld ist das Thema “Geschlechtsidentifikation” aktuell sehr präsent und damit brechen bei mir Denkmuster auf, die ich vorher nicht wahrgenommen, geschweige denn hinterfragt habe. Erst jetzt fällt mir auf, wie dominant die Kategorien “weiblich” und “männlich” verwendet werden, auch teilweise bei Themen, wo es eigentlich nicht zu Sache tut. Wie anstrengend muss es sein, wenn man mit den Kategorien fremdelt, wenn man als das eine wahrgenommen wird, sich als das andere oder keins von beidem fühlt – und wie privilegiert ist man, wenn man genau rein passt?
Ich glaube wir hätten alle was davon, wenn wir diese Kategorien mehr in den Hintergrund rücken lassen. Wir würden uns dann von den Erwartungshaltungen an die unterschiedliche Geschlechter lösen, die wir durch Erziehung, Medien, Schule etc aufdoktriniert bekommen à la Frauen sollen schön sein, am besten liebevolle Mütter, nicht zu schlau, bloß nicht anecken und Männer stark, kantig, erfolgreich. Damit einhergehend, würde sich vielleicht auch der Gender-Gap in den unterschiedlichen Kategorien auflösen, oder sogar Weltgeschehen anders verlaufen.
Aber auch im kleineren gäbe es mehr Selbstbestimmtheit: jede Person würde Klamotten tragen, was sie gerade mag, also zum Beispiel nicht nur Frauen Hosen, sondern auch Männer Röcke. Es gäbe nur noch Unisex-Toileten im öffentlichen Raum – also quasi wie zu Hause, wo wir uns doch auch alle die gleichen Toiletten teilen. Das hätte dann nebenbei auch den Vorteil, dass nicht mehr bei den einen eine lange Schlange, während bei den anderen alles frei ist.
Statt in Schubladen zu stecken und nur dann aufzuhorchen, wenn sie nicht ganz passt, würden wir dann viel mehr auf die Personen selbst achten. Und doch merke ich, dass auch ich mich selbst und auch andere Personen in Schubladen stecke. Die Veränderungen beginnt also im Kleinen – bei mir und damit in jedem von uns.

